Geschichte der Bruderschaft

Bild1: Abschreiten der Front beim Schützenfest 1963 durch
Bürgermeister Hubert Mahlberg und dem Vorsitzenden Karl-Heinz Limbach


 

 

 

Die Schützenbruderschaft nach dem 2. Weltkrieg


 

Unter schwersten Bedingungen erfolgte der Neuaufbau der Bruderschaft nach dem totalen Zusammenbruch. 1946 waren es neun Schützenbrüder, die sich in dem stark zerstörten Rheinbach zusammenfanden. Sie trafen sich in fast geheimen Versammlungen.Die größten Verdienste erwarben sich in dieser schweren Zeit als Hauptmann und Vorsitzender Fritz Tils. Er wurde tatkräftig unterstützt von seinem Adjutanten Franz Kribbeler, dem Schriftführer Theodor Langen, dem Kassierer Franz Feuser und den übrigen Vorstandsmitgliedern Franz Paffenholz, Heinrich Breuer, Franz Derkum, Willi Krüger. Die kleine Schar wuchs von Jahr zu Jahr, erreichte 1963 eine Stärke von über 130 Mitgliedern.

Im Jahre 1950 wurde bei einem "kleinen", Schützenfest in den Räumen des Gastwirtes und Schützenbruder Willi Streng der erste König nach dem Kriege ermittelt.

1963 feierte die Bruderschaft unter großer Anteilnahme der Bevölkerung das 650-jährige Bestehen der Schützen in Rheinbach.

Im Jahre 1913 beging der St. Sebastianus- und St. Hubertus-Schützenverein e.V. zu Rheinbach die 600jährige Jubelfeier. Unsere Vorfahren datierten also die Entstehung der Rheinbacher Schützen in das Jahr 1313. Wir nehmen damit ein hohes Alter für uns in Anspruch. Es soll nicht verschwiegen werden, dass eine Urkunde dies nicht belegen kann. Wenn wir auch den endgültigen Beweis für das Gründungsjahr 1313 schuldig bleiben müssen, so spricht doch die Wahrscheinlichkeit dafür. Eine Änderung dieser Jahreszahl kann erst dann erwogen werden, wenn es gelingen sollte, ein anderes Gründungsjahr urkundlich einwandfrei zu belegen. Zur älteren Geschichte lassen sich leider nur dürftige Angaben machen: (Quellenangaben: Festschrift zur 675-Jahr-Feier der Bruderschaft 1988).

 

Für 1317/40 sind Bogenschützen genannt. Die Einwohnerzahl des oppidum Rheinbach war noch gering. "Zum Schutze der Mauern wurden sagitarii (Bogenschützen) aus den umliegenden Dörfern bzw. Grundherrschaften gewonnen. Diese Leute hatten das Recht, im Kriegsfalle mit Hab und Gut in das oppidum zu ziehen und dafür die Pflicht, die Mauern zu verteidigen".
1501 heißt es in den Akten der Schützen zu Ahrweiler: " ... 1501 waren die Schutzen von Rheinbach mit unsen Schutzen hie zo schießen." Zu welcher Zeit sich die Schützen zur St. Sebastianus-Schützenbruderschaft erklärten, ist unbekannt. Sie bestand aber schon im Jahre 1513 und erfreute sich offenbar großer Wertschätzung. Dieser Vermutung liegt nahe durch ein in Ahrweiler im Jahre 1513 verfasstes Testament. Darin vermacht der wohlachtbare Thilmann Becker von Rheymbach der Bruderschaft des hl. Sebastianus all sein Gerät (arma) und eine Anzahl Grundstücke. (Der lat. Text mit Übersetzung wurde im Jahresbericht 1903/04 des Progymnasiums zu Rheinbach veröffentlicht).

1536 hat nachweislich das erste Schützenfest stattgefunden.

1630 begleitete die St. Sebastianus-Bruderschaft die Fronleichnam-Prozession mit Musketen, Feuerrohren und Haken außerhalb der Stadt (die Pfarrkirche lag nicht innerhalb der Stadtmauer) zum Schutze vor rauberey der parteyen.

1632 wird die Rheinbacher St. Sebastianus-Schützenbruderschaft neben zwei anderen wieder in Ahrweiler erwähnt.

1673 wurde die Stadt von 500 kurkölnischen Soldaten und Rheinbacher Bürgern gegen die Angriffe des Prinzen Wilhelm von Oranien verteidigt.

1730 und 1742 wird die Schützenbruderschaft in Urkunden des Archivs der Stadt Rheinbach erwähnt. Aus dieser Zeit stammten die ersten Schilder, die sich an der Königskette befanden. Es waren etwa 120 Orden - von 1726 bis 1938 - mit Namen und Jahreszahl angebracht. Die Königskette hatte einen hohen materiellen Wert, der ideelle Wert ist kaum zu schätzen. Sie wurde 1945 beim Einmarsch amerikanischer Truppen aus dem Tresor der Kreissparkasse entwendet. Intensive Bemühungen, die Kette wiederzubeschaffen, blieben leider ohne Erfolg.

1789 wurde ein Schützenführer und sieben Schützen bestellt. Sie sollen zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten die Waldkapelle bewachen, die Aufgaben der Marktpolizei durchführen, Pässe kontrollieren, nach der Polizeistunde für Ordnung in Wirtshäusern und Straßen sorgen.

1867 kam es zu einer Verschmelzung zwischen der St. Sebastianus-Bruderschaft und der St. Hubertus-Schützengesellschaft (sie hatte sich 1856 gebildet). Unter dem Namen "St. Sebastianus- und St.-Hubertus-Schützenverein e. V. zu Rheinbach" wurde der Verein 1902 beim Amtsgericht Rheinbach ins Vereinsregister eingetragen.

1913 feierte man unter der Leitung von Hauptmann Martin Ruland "unter großem Prunk" das 600-jährige Bestehen des St. Sebastianus- und St. Hubertus-Schützenvereins. Ihr 625-jähriges Bestehen feierte die Schützenbruderschaft 1938. Als der Vorsitzende Dr. Dahmen 1938 (?) zur damaligen Wehrmacht einberufen wurde, übernahm Gastwirt Fritz Langen in schwieriger Situation das Amt des Hauptmannes und Vorsitzenden.

1939 - 1945 während des Krieges und danach durch Verbot der Militärregierung kam das Leben der Schützenbruderschaft ganz zum Erliegen.
 

964 wurde in vielen Sitzungen eine neue Satzung erarbeitet, die die alte Satzung von 1902 ablöste.
Diese Satzung ist nach einer Überarbeitung im Jahre 1987 bis heute für die Schützenbruderschaft Rheinbach gültig.
An dieser Stelle ist es angebracht, die Fahnenträger der letzten Jahre zu erwähnen und ihnen für ihre Treue und Zuverlässigkeit ein Lob auszusprechen. Ab 1959 waren es Willi Mattke und Hans-Peter Hagen, 1961 Heinrich Lahnstein, 1962 Josef Sievernich. 1966 Heinrich Mahlberg und Franz von Meer. Es folgten 1968 Heinz Pützler (1998 zum Ehrenfahnenträger ernannt) und 1969 Gerhard Kriesten, der bis heute die Bruderschaftsfahne trägt. Ihm zur Seite wurde 2001 Erwin Schneider bestellt. Sie alle erfüllten und erfüllen noch ihre Aufgabe mit großem Eifer.

1969, am Sonntag nach dem Namensfest unseres Patrons St. Sebastian wurde zum ersten Mal der Sebastianusschütze ermittelt das bei der Feier des St. Hubertustages schon seit 1958 üblich war. Beim Schützenfest wurde das Bürgerkönigschießen eingeführt. Am Ostermontag wird ein Ostereierschießen verbunden mit einem Frühschoppen abgehalten.

1974 wurde beim Schützenfest der erste Schülerprinz ermittelt. Der glückliche Schüler war Walter Honerbach.

Im Frühjahr 1979 war es für die Rheinbacher Schützenbruderschaft unter Vorsitz von Adolf Füllenbach eine besondere Ehre, dass der Bezirksverband "Voreifel" seine Jubiläumsfeierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen nach Rheinbach verlegte und in der Stadthalle zu Rheinbach und auf dem Schützenplatz der St. Sebastianus- und St. Hubertus-Schützenbruderschaft feierte. Dieses große Fest wird die Rheinbacher Schützenbruderschaft stets in guter Erinnerung behalten.

Ebenfalls im Jahre 1979, diesmal aber im Sommer, war Rheinbach Austragungsort des 15. Diözesanprinzen- und des 6. Diözesanschülerprinzenschießens. Auch für diese Veranstaltung standen Rheinbacher Schützenschwestern und Schützenbrüder gerne bei allen Vorbereitungs- und Durchführungsarbeiten zur Verfügung und haben im familiären Schulterschluss mit den anderen Bruderschaften des Bezirksverbandes mit dazu beigetragen, dass dieses Fest ebenfalls einen gelungenen Abschluss fand.

1980 war für die Schützenbruderschaft ein sorgenvolles Jahr. Die satzungsgemäße Neuwahl des Vorstandes stand an. Alle Ämter konnten auf Anhieb besetzt werden. Nur für das Amt des Vorsitzenden fand sich kein Nachfolger für Adolf Füllenbach, der nach einem schweren Verkehrsunfall nicht mehr kandidierte. Mehrere Versammlungen konnten das Dilemma nicht beheben. In dieser Situation ließ sich Karl-Heinz Limbach erweichen und stellte sich als Vorsitzender wieder zur Verfügung. Er betrachtete seine Wahl zum Vorsitzenden als kurze Übergangslösung.

Im gleichen Jahr ermittelten wir beim Schützenfest neben dem Bürgerkönig erstmalig auch eine Bürgerkönigin. Elisabeth Kriesten gelang zur großen Freude der Schützen der Meisterschuss. Heute können wir wiederum berichten, dass sie es ist, die mit uns allen zum Beginn des Jubeljahres des Bezirksverbandes "Voreifel", nun als Schützenliesel, die Bruderschaft mit allen anderen Majestäten repräsentieren wird. Für Elisabeth Kriesten waren 2002 und 2003 besonders glückliche Jahre. Sie errang neben der Würde der Schützenliesel auch die Würde der Sebastianus- und Hubertusschützin.

Bild2: Schützenliesel Elisabeth Kriesten mit den Hubertusmajestäten 2003,
Christine Voigt und Sascha Hahnenberg (4.,5 und 6. v.li.)

 

1983 standen Neuerung im Vereinsleben an. Die Schützenschwestern hatten den Wunsch, in Tracht am Schützenfest teilzunehmen. Dieser Wunsch, wurde von den Schützenschwestern auf einer Versammlung vorgetragen. Die Schützenbrüder begrüßten diesen Vorschlag mit lebhaftem Beifall. Sie sind stolz auf ihre schmuck gekleideten Schützenschwestern. An dem Schießen auf die Königswürde beim Schützenfest wollten sie sich aber auf eigenen Wunsch nicht beteiligen. Sie ermittelten im historischen Schießen aus ihren Reihen die Schützenliesel. Annemie Bieberstein trug sich als erste in diese Liste ein. Seither hat das Leben der Bruderschaft wirkungsvolle Impulse erhalten.

 

Bild3: Annemie Bieberstein, erste Schützenliesel, 1983 im Kreise der Schützenschwestern

 

1985, nach dem Schützenfest, trat Karl-Heinz Limbach als Vorsitzender zurück.
Er konnte der Versammlung mitteilen, dass seit dem Vortage die Bruderschaft keine Schulden mehr habe. Karl-Heinz Limbach war Vorsitzender von 1959 bis 1972 und von 1980 bis 1985.
Nach seinem Rücktritt hat ihn die Bruderschaft zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Er war Träger des Schulterbandes zum St. Sebastianus Ehrenkreuz. Karl-Heinz Limbach hat durch seine besonderen Leistungen unsere Bruderschaft geprägt und ihr ein modernes Gesicht gegeben.

In der folgenden Mitgliederversammlung wurde der bisherige Hauptmann Willi Mahlberg zum Vorsitzenden und Beisitzer Dieter Bieberstein zum Hauptmann gewählt.

Beim Schützenfest 1986 nahm erstmals auch die Königin, Monika Bylicki, an der Seite unseres Königs, ihres Ehemannes, am Festzug teil. Damit haben wir uns den Gepflogenheiten angeschlossen, wie sie bei den Bruderschaften des Bezirks Voreifel üblich sind.
 

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